Der Neue ist ein Volksbank-Urgestein

Dr. Rainer Bouss (46) tritt am 2. Januar im Volksbank-Vorstand die Nachfolge von Rolf Wagner an, der eine neue Aufgabe in Hamburg hat.

Die Würfel bei der Volksbank sind gefallen. Der Nachfolger des Vorstandsmitglieds Rolf Wagner heißt Dr. Rainer Bouss und wird am 2. Januar seine Arbeit aufnehmen. Die Entscheidung fiel im Personalausschuss der Bank. 30 Bewerbungen waren auf die Stellenausschreibung eingegangen. „Vier Kandidaten kamen in die engere Wahl, Dr. Bouss hat sich als der geeignetste durchgesetzt“, sagte Volksbank-Vorstand Matthias Lau über seinen künftigen Kollegen.

 

Bouss stammt aus Sonsbeck am Niederrhein und ist ein echtes Volksbank-Urgestein. 1984 begann er bei der Volksbank Goch-Kevelaer seine Ausbildung zum Bankkaufmann und übernahm dort als Bereichsleiter und Prokurist schon früh Führungsaufgaben. Neben seiner Tätigkeit absolvierte Bouss ein wirtschaftswissenschaftliches Studium zum Diplom-Kaufmann und Diplom-Volkswirt und promovierte 2003 am Lehrstuhl für Finanzierung und Banken an der Uni Magdeburg. Seit 2005 bekleidet Bouss den Vorstandsposten bei der Volksbank Dormagen und musste seinen dortigen Vertrag für die neue Aufgabe in Neumünster vorzeitig auflösen.

 

„Ich bin sicher, dass wir den richtigen Mann für die Bank gefunden haben“, sagte Jutta Meyer als Vorsitzende des Aufsichtsrats, der natürlich in die Entscheidung einbezogen war. Eine Einarbeitungszeit sei nicht geplant. Rolf Wagner ist noch bis zum 23. Dezember auf seinem Posten, und Bouss tritt seinen Dienst offiziell zum Jahresbeginn an, sagte Jutta Meyer.

 

„Ich werde schon im Dezember ein paar Tage in Neumünster sein“, sagte Bouss, der sich mit seiner Familie bereits ein Haus „mit einem wunderschönen Grundstück in Aukrug“ gekauft hat. Bouss ist verheiratet und hat drei Kinder. Bei der Entscheidung für Neumünster spielten auch gesundheitlich-familiäre Gründe eine Rolle. „Meine Tochter Mirjam (2) leidet unter einer schweren Neurodermitis. Wir erhoffen uns, dass es ihr bei dem Klima hier besser geht“, sagte Bouss, der einen Fünf-Jahres-Vertrag hat und sich schon auf seine neue Aufgabe freut.

 

Neumünster ist für den Rheinländer auch ein Karrieresprung. Die Volksbank Neumünster ist mit einer Bilanzsumme von 953 Millionen Euro und 240 Mitarbeitern mehr als doppelt so groß wie das Institut in Dormagen, das 2010 eine Bilanzsumme von 444 Millionen Euro auswies und 142 Mitarbeiter zählt. „Neumünster ist also von der Größe her interessant, ich kann mich hier weiterentwickeln“, sagte Bouss. Dormagen habe er immer als Zwischenstation angesehen und einen Ortswechsel „immer mal wieder angedacht“.

 

Bouss’ noch amtierender Vorgänger Rolf Wagner (51) geht nach sieben Jahren als Vorstand. Die Volksbank schaffte im vergangenen Jahr das beste Geschäftsergebnis ihrer 108-jährigen Geschichte und ist auf dem Weg zur „Milliarden-Bank“. 2005 hatte Wagner gemeinsam mit Matthias Lau die Nachfolge von Bruno Bahr und Johannes Kux angetreten. Wagners Familie wohnt im niedersächsischen Heuerßen, etwa 250 Kilometer von Neumünster entfernt. Er war die jahrelange Trennung leid, wollte die Familie nach Neumünster holen und hatte sich deshalb um einen unbefristeten Anschlussvertrag bemüht. Doch da machte der Aufsichtsrat – aus prinzipiellen Überlegungen – nicht mit (der Courier berichtete). Wagner hat nach eigenen Angaben ein „anderes Aufgabenfeld in Hamburg“ gefunden, das sich nahtlos anschließt. „Es gibt keine Lücke“, sagte Wagner. 

 

(sh:z/Holsteinischer Courier/Text: Rolf Ziehm vom 15.11.2011)