Die Ideen hinter den Bauwerken

(sh:z/Holsteinischer Courier/Text und Bild: Benjamin Steinhausen/ 26.06.2012)

Am Tag der Architektur erklärten Architekten ihre Ideen zur Gestaltung des Hauke-Haien-Kindergartens, der Volksbank und der Schwale-Parks

Der Hauke-Haien-Kindergarten, die Volksbank am Großflecken und die Parkanlagen entlang der Schwale haben eines gemeinsam: Sie wurden von Profis geplant, entworfen, und nach den Plänen realisiert. Doch was haben sich die Architekten dabei gedacht? Diese Frage beantworteten die Experten selbst zum Tag der Architektur am Sonnabend.

 

„Der vordere Baukörper ist aus Holz, während der rückwärtige Bereich mit Wärmeverbundsystemen verkleidet ist“, erklärte Architekt Reinhold Wuttke seinen zehn Zuhörern. Im vorderen Bereich sind die Krippenkinder untergebracht, die beispielsweise mehr Ruhe brauchen. Jede Gruppe hat einen direkten Außenbezug und Zugang zu dem Riesen-Spielplatz hinter der Kita. An der „Dorfstraße“ – ein langer Flur, der sich durch das Gebäude zieht – wurden viele Platzsituationen geschaffen mit Bällebad, Bewegungsstraße und Kuschelecke. Der Übergang vom neuen zum alten Teil wurde mit spezieller Fugengestaltung und Farbspielereien hervorgehoben.

Beim Neubau der Volksbank gab es für die Planer von Sunder-Plassmann aus Kappeln vor allem ein Hauptthema: „Die alte Fassade sollte erhalten bleiben“, sagte Stephanie Kausior-Bialy, die ihre Planungen gemeinsam mit Hans-Christian Rieck und Innenarchitekt Friedrich-Wilhelm von Stülpnagel vom Architekturbüro Esplant vorstellte. Das Anliegen hat funktioniert. Die Fassade wurde mit einem schweren Stahlgerüst abgefangen und aufwendig restauriert. Die ehemaligen Fenster im Dachstuhl wurden durch Gauben nach historischem Vorbild ersetzt. „Sie sind allerdings nicht maßstabsgetreu, sondern etwas aufgebläht. Das war dem Rettungsweg geschuldet“, erklärte Kausior-Bialy etwa 20 Zuhörern. „Im Neubau war es uns wichtig, eine Transparenz zu schaffen und von einer niedrigen erdrückend wirkenden Decke abzusehen“, hieß es. Jetzt bewegen sich die Bankkunden in einem Atrium und können von der Kundenhalle bis an die Decke schauen. „Wie im alten Teil der Bank. So kommt man von einem erhabenen Bereich in den nächsten“, erzählten die Experten von Sunder-Plassmann. Im oberen Teil des alten Bereiches hat man sich vor allem auf akustische Maßnahmen konzentriert. „Es wurden Akustikwände eingezogen, die Umgebungsgeräusche eindämmen“, erläuterte von Stülpnagel. Auch der Parkplatz hinter der Bank wurde vergrößert und erneuert. Die Grünzone des Waschpohls hat man hineingezogen und einen Durchgang zum Großflecken geschaffen. Außen bietet sich „italienisches Marktplatzflair“. Der entstandene Platz soll auch belebt werden. Dazu gebe es Gespräche mit dem benachbarten Café Oldehus.

Ein weiteres Gespräch mit Planern fand am Max-Röer-Platz statt. Landschaftsarchitekt Tonio Trüper nahm 30 Zuhörer mit auf eine informative Tour vom Eingang Rencks Park durch den Selck’schen Park – die „grüne Perlenkette“ entlang der Schwale. Bereits der Weg wurde mit Bedacht geplant. „Es handelt sich dabei um einen aufwendigen Schichtenaufbau, der das ganze Jahr über intakt bleibt, ohne beispielsweise aufzuweichen“, sagte Trüper. Mit einer bewusst gewählten Bepflanzung wolle man „einer Verwaldung“ entgegenwirken und den Parkcharakter erhalten.

Bei den Veranstaltungen fanden sich interessierte Neumünsteraner, aber überwiegend Leute vom Fach ein. Einer von ihnen war Peter Baumgartner aus Meldorf, selbst Architekt. „Als Architekt beäugt man die Arbeiten seiner Kollegen kritischer. Das ist aber auch gut so, sonst würde ja vieles gleich aussehen“, sagte er.

(sh:z/Holsteinischer Courier/Text und Bild: Benjamin Steinhausen/ 26.06.2012)

Hier beginnt die „Dorfstraße“ durch den Kindergarten: Architekt Reinhold Wuttke (2. von links) hat mit seinen Entwürfen viel Platz mit Bezug nach außen geschaffen.

(sh:z/Holsteinischer Courier/Text und Bild: Benjamin Steinhausen/ 26.06.2012)

Stephanie Kausior-Bialy (links) vom Architektenbüro Sunder-Plassmann erzählte den Zuhörern, auf was bei den Planungen des Volksbank-Gebäudes geachtet wurde.

 

(sh:z/Holsteinischer Courier/Text und Bild: Benjamin Steinhausen/ 26.06.2012)