Vereine unterschätzen das Risiko

Noch nicht einmal 15 Prozent der Kunden von Sparkasse und Volksbank sind auf das neue Zahlungssystem vorbereitet.

Der Kassenwart eines mittelgroßen Vereins braucht einen halben Tag, um sich mit Sepa zu beschäftigen und dann eine Woche, um seine Software zu aktualisieren, schätzen Dr. Rainer Bouss von der Volksbank (links) und Martin Deertz von der Sparkasse.

Wenn die Sparkasse und die Volksbank gemeinsam zu einer Pressekonferenz einladen, dann muss es um ein wichtiges Thema gehen: Die beiden Institute machten gestern eindringlich Werbung dafür, sich auf das neue System des europäischen Zahlungsverkehrs einzustellen. Betriebe und Vereine, die am 1. Februar 2014 nicht fit sind für Sepa (Single Euro Payments Area), denen drohen erhebliche finanzielle Engpässe.

Die Vorstandsmitglieder Martin Deertz (Sparkasse) und Dr. Rainer Bouss (Volksbank) warnten eindringlich davor, Aufwand und Risiko der Umstellung zu unterschätzen. „Die Einführung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums ist gravierender als der Wechsel von der D-Mark zum Euro“, meinte Bouss. Bisher haben aber noch nicht einmal 15 Prozent der Kunden der beiden Kreditinstitute die Voraussetzungen für Sepa geschaffen.

Mit Sepa werden bargeldlose Zahlungen innerhalb der Europäischen Union vereinheitlicht, so dass es für Bankkunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und internationalen Zahlungen gibt. Der Zahlungsverkehr zwischen den Ländern soll damit schneller, sicherer und günstiger werden. Doch vor allem kleine und mittelständische Betriebe und Vereine stellt das vor große Herausforderungen. Sie müssen eine ganze Reihe von Vorkehrungen treffen und sich an gewisse Spielregeln halten (siehe Infokasten), sonst bekommen sie kein Geld mehr. Am wichtigsten ist dabei eine aktuelle, sepa-fähige Bank-Software. Für Zahlungspflichtige ändert sich nichts. Bestehende Lastschrift-Aufträge bleiben gültig und müssen nicht erneuert werden.

Die Umstellung zu ignorieren, bringt ebensowenig wie ein Hinauszögern. Deertz: „Im schlimmsten Fall kann ein Unternehmen ab Februar keine Rechnungen mehr einziehen und dann keine Gehälter mehr bezahlen. Das gilt auch für Mitgliedsbeiträge von Vereinen. Und wenn alle erst im Januar umstellen, schaffen wir die Welle an Anfragen nicht pünktlich."

 (sh:z/Holsteinischer Courier, 13.08.2013, Text: Christian Lipovsek)