Volksbank-Urgestein sagt ade

Vorstand Matthias Lau verlässt nach 38 Jahren das genossenschaftliche Institut / Er bleibt Neumünster aber in vielen Funktionen erhalten

Matthias Lau räumt sein Büro bei der Volksbank und will sich geschäftlich auf Sylt engagieren. Foto: Ziehm

Nur noch wenige Tage, dann wird Matthias Lau (58) sein Büro in der Volksbankzentrale am Großflecken räumen. Das Volksbank-Urgestein verlässt zum Jahresende das genossenschaftliche Geldinstitut, um sich neuen Aufgaben zu widmen. Überraschend kommt das nicht. Lau hatte diesen Schritt schon vor vier Jahren im Aufsichtsrat angekündigt und hinterlässt den beiden anderen Vorständen Dr. Rainer Bouss und Dirk Dejewski ein gut bestelltes Haus.

Lau ist nicht nur gebürtiger Neumünsteraner (genauer: Tungendorfer), sondern auch ein echtes Eigengewächs der Volksbank Neumünster. Hier begann er am 1. August 1978 nach dem Abitur und zwei Jahren als Zeitsoldat bei den Fernmeldern in der Hindenburg-Kaserne seine Ausbildung zum Bankkaufmann. Den Bürokaufmann hatte er schon bei der Bundeswehr gemacht.

Die Volksbankzentrale war 1978 noch am Großflecken 39 (heute: Rossmann) und feierte ihr 75-jähriges Bestehen. Lau hat genau nachgeblättert: Die Volksbank hatte damals 182 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 362 Millionen Mark. Das Eigenkapital lag bei 13 Millionen Mark, der Reingewinn bei 835 000 Mark. Neumünster hatte eine Arbeitslosenquote von 5 Prozent. Damals sprach man von einer Niedrigzinsphase – bei 7 Prozent! Wie sich die Zeiten geändert haben. Im Jahr 2015 ist die Volksbank Milliarden-Bank mit einer Bilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro und 250 Mitarbeitern. Das Eigenkapital beträgt 153 Millionen Euro, der Gewinn wird bei 13,2 Millionen Euro liegen.

Lau startete als Bankkaufmann im Team der Firmenbetreuer, war dann stellvertretender Leiter der Firmenkundenbank. Nach der Fusion mit Bad Segeberg wurde Lau dort Direktor und erhielt Procura. Zum 1. September 2004 wurde er dann zum Vorstand berufen.

Als persönliche Höhepunkte seiner Zeit bei der Volksbank nennt Lau die Fusionen mit Segeberg und den Raiffeisenbanken Kleinkummerfeld und Wasbek. Mit ihnen kamen auch der Name und das Logo VR auf. Ein zweites großes Thema waren für Lau die von ihm betreuten Bauaktivitäten der Volksbank. Heraus ragen dabei der Neubau in Bad Segeberg, der Neubau der Zentrale hinter der Kösterschen Fassade am Großflecken in den Jahren 2009 bis 2012 und zuletzt der Neubau der Filiale in Tungendorf. Gebaut wurde unter der Prämisse und Idee, Altes und Neues harmonisch zu verbinden. „Da spielen sicher die Gene eine Rolle, mein Vater war Architekt“, sagt Lau.

Und natürlich ist er stolz darauf, dass die Volksbank als regionale Bank vor Ort alle großen Projekte wie das DOC, die Holsten-Galerie, das Milchtrocknungswerk oder das Hotel Altes Stahlwerk mit begleitet hat. „Ich hinterlasse ein solides Fundament“, sagt Lau und fügt hinzu: „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Ich habe, auch durch private Bautätigkeit, eine gewisse Unabhängigkeit erreicht.“ Sein geschäftliches Betätigungsfeld sieht er künftig auf der Insel Sylt. Er wohnt aber weiterhin mit seiner Frau Doris, mit der er zwei erwachsene Kinder hat, in Ruthenberg. Und er bleibt Neumünster in einigen Funktionen erhalten – etwa als Aufsichtsratsvorsitzender des Friedrich-Ebert-Krankenhauses. Lau engagiert sich zudem als Rotarier bei Neumünster-Vicelin und im Wirtschaftsrat des VfR. Der ehemalige Handballer war auch Vorsitzender von Blau-Weiß Wittorf, Mitglied im Sportpool und lange Jahre 2. Vorsitzender im Kreissportverband.

(sh:z / Holsteinischer Courier vom 18.12.2015 Text und Foto: Rolf Ziehm)