Kerngesund trotz harter Bandagen

VR Bank Neumünster wächst und erfüllt strenge Auflagen der Bankenaufsicht für 2019 bereits heute / Dividende von sechs Prozent

Die Vorstände Dr. Rainer Bouss (links) und Dirk Dejewski sehen die VR Bank auf gutem Weg.

MDie Konjunktur brummt, die Zinsen sind historisch tief und die Arbeitslosigkeit liegt auf niedrigem Niveau. Unterm Strich bedeutet das, dass viel Geld im Umlauf ist und Anlagemöglichkeiten gesucht. Das ist auch in der Region so, und es spiegelt sich in der Bilanz der VR Bank Neumünster wider. Sie verzeichnet ein solides Wachstum in der Bilanz und verdiente 2017 gut mit der Vermittlung von Finanzdienstleistungen sowie im Kreditgeschäft. Die Belastungen durch die Marktregulierung konnte die Genossenschaftsbank so kompensieren und den Mitgliedern eine Dividende von sechs Prozent in Aussicht stellen.

Entsprechend entspannt stellten die VR-Bank-Vorstände Dr. Rainer Bouss und Dirk Dejewski gestern die Bilanz 2017 vor. „Wir konnten an die Ergebnisse der Vorjahre anknüpfen“, sagte Dejewski. So hielt die Nachfrage nach Krediten im vergangenen Jahr an. Das Kreditvolumen stieg um 1,5 Prozent auf 826 Millionen Euro. Ebenfalls einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Bank bei den Einlagen auf Kundenkonten. Sie beliefen sich zum Jahresende auf 917 Millionen Euro. Das sind 79 Millionen Euro oder 9,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Wir werden als sicherer Hafen wahrgenommen“, folgerte Dejewski.

Der Erfolg des vergangenen Jahres beruht nach Ansicht der beiden Vorstände maßgeblich auf der Kreditnachfrage aus dem Mittelstand in der Region. Insbesondere der Raum Segeberg und die Stadt Neumünster spielten dabei eine gewichtige Rolle. „In der Landwirtschaft ist die Investitionsneigung zurzeit hingegen eher zurückhaltend“, erklärte Bouss und verweist unter anderem auf die Milchkrise. Bei der Vermittlung von Geldanlagen, insbesondere an Verbundpartner wie Union Investment (Immobilien) oder die Bausparkasse Schwäbisch-Hall, fließen Provisionen in die Kasse, im vergangenen Jahr waren es 9,5 Millionen Euro (+3,3 Prozent).

Um überhaupt Kredite vergeben zu können, müssen Banken harte Auflagen erfüllen. Die VR Bank (238 Mitarbeiter) kann ihren Spielraum dafür sogar vergrößern, indem sie einen großen Teil des Jahresgewinns von 15,9 Millionen Euro dem Eigenkapital zuführt. Die von der Bankenaufsicht für 2019 geforderte „harte Kernkapitalquote“ von 10,5 Prozent übererfüllt die Bank mit 18 Prozent bereits heute. So aufgestellt, wollen Bouss und Dejewski auch in den kommenden Jahren trotz hoher Zinsbelastungen auf die Erhebung von Strafzinsen bei Sparern verzichten. Die Zahl der Kunden ist 2017 zwar um knapp 700 auf 55 102 gesunken, doch das sei das Ergebnis einer Statistik-Bereinigung. Tatsächlich seien die Kunden treu. Selbst die Verlegung der Filialen Faldera und Kuhberg in die Hauptstelle am Großflecken habe sich nicht negativ ausgewirkt, sagte Dejewski.

Einen deutlichen Trend sehen die Vorstände in der Digitalisierung. Inzwischen nutzten 50 Prozent der Kunden das Online-Banking, 20 Prozent das digitale Postfach. Unter jungen Menschen steige die Beliebtheit des Verschickens von Geld (bis 30 Euro) mit dem Handy. „Trotzdem bleibt die Geschäftsstelle für uns der wichtigste Kontaktpunkt“, so Dejewski. Nach Boostedt und Wittorf werden in diesem Jahr die Filialen in Bordesholm und Bornhöved modernisiert.

(sh:z/Holsteinischer Courier, 24.02.2018, Text/Foto: Hannes Harding)